Probleme bei der Anlagenzertifizierung?

Probleme bei der Anlagenzertifizierung?

Beitragvon S3PEngineering » Do 18. Dez 2014, 10:20

Durch die hohe PV-Penetration im bestehenden Verbundnetz ist eine intelligente Betriebsführung der PV-Anlagen unabdingbar. Die sogenannte Netzintegration von dezentralen Photovoltaik Großanlagen hat mit den Anforderungen der BDEW-Mittelspannungsrichtlinie und des EEG 2014 jedoch eine hohe Komplexität erreicht. Im Rahmen der Anlagenzertifizierung und der darauffolgenden Konformitätserklärung müssen einerseits die Forderungen des Netzbetreibers und darüber hinaus auch die des Zertifizierers erfüllt werden.

Hierfür ist ein tiefgreifendes Verständnis der Thematik Netzintegration unabdingbar, um beispielsweise Fernwirktechnik und kennliniengeführte Anlagenregelungen für ein definiertes Anlagenverhalten umzusetzen, darüber hinaus aber auch vermittelnd zwischen den Parteien zu wirken.

Ein paar Hintergrundinfos: Geräte- und Anlagenzertifizierung
Für jeden Wechselrichtertyp als Erzeugungseinheit einer PV-Anlage muss der Hersteller die Konformität zu sämtlichen Anforderungen der Richtlinien durch ein unabhängiges akkreditiertes Institut bestätigen lassen. Hierfür erhält das Gerät ein Einheitenzertifikat. Bestandteil des jeweiligen Zertifikats ist auch ein Simulationsmodell (Einheitenmodell), mit dem der Zertifizierer das Verhalten des Wechselrichters im Fehlerfall nachstellen kann.
Ab einer Anschlussleistung von 1 MVA oder wenn die Anschlussleitung zum Netzverknüpfungspunkt länger als zwei Kilometer ist, muss darüber hinaus die gesamte Anlage zertifiziert werden. Das sogenannte Anlagenzertifikat besteht aus Berechnungen und Simulationen auf Basis eines Netzmodells und der oben beschriebenen Einheitenmodelle. Sämtliche Einstellungen der Schutzeinrichtungen und die Parameter der Erzeugungsanlage werden hierbei berücksichtigt, damit die individuellen Vorgaben des Netzbetreibers eingehalten werden können. Das Anlagenzertifikat ist Voraussetzung für die Netzanschlusszusage. Es hat den Charakter eines Einzelvertrags, der als Teil des Einspeisevertrags individuell mit dem jeweiligen Netzbetreiber zu schließen ist.

Die Folgen einer fehlenden Zertifizierung sind weitreichend. Nach Mahnungen mit ernstzunehmenden Fristen, geht es über die Aussetzung der Vergütung bis hin zur vollständigen Abschaltung der Anlage.

Sollten Sie als Betreiber Probleme bei der Anlagenzertifizierung von Neu- und Bestandsanlagen haben, begleiten wir Sie durch den gesamten Zertifizierungsprozess bis hin zur Konformitätserklärung.

Kommen Sie auf uns zu!
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Re: Probleme bei der Anlagenzertifizierung?

Beitragvon pesoelko » Do 18. Dez 2014, 10:44

Hallo S3PEngineering und willkommen hier im Forum,

ab > 1MVA Anschlussleistung - dafür ist dies doch gedacht?
Ob hier bei uns jemand dabei ist?

Gruß
Peter
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Re: Probleme bei der Anlagenzertifizierung?

Beitragvon S3PEngineering » Do 18. Dez 2014, 12:17

Hallo Pesoelko,

danke für Deine Willkommengrüße :sun:

Forderungen gibt es natürlich auch bei kleineren Anlagen (Schlagwörter: Ferngesteuerte Wirkleistungsreduzierung (EisMan), 50,2Hz Problematik, 70%-Regelung, P(f)-Verhalten, NA-Schutz, ...).
Problem bei Großanlagen ist, dass bei der Vielzahl an Verteilnetzbetreibern individuelle technische Anschlussbedingungen bestehen, die zwar an die BDEW-Richtlinie und das EEG2014 angelehnt sind, jedoch im Detail abweichen können.

Was wir aktuell sehen ist eine 3-stellige Anzahl von Großanlagen der MW-Klasse, die nicht durch die Zertifizierung kommen.
Häufiges Problem schon alleine die Kommunikation zwischen den einzelnen Parteien.
Von unparteiische Netzbetreibern und Zertifizierern kann man nicht erwarten, dass sie dem Anlagenbetreiber Hilfestellung bei der Erfüllung der Anforderungen geben. Von Anlagenbetreibern wiederum kann auch nicht erwartet werden, fundierte Kenntnisse zur Umsetzung eines konformen Betriebs der Anlage zu besitzen.

Ein Forum scheint für uns aktuell die einzige Möglichkeit, Anlagenbetreibern in dieser Situation das Signal zu geben, dass es einen Partner gibt der sich um sämtliche Belange hin zur Abnahme der PVA kümmert und dabei auf Augenhöhe mit Netzbetreibern und Zertifizierern sprechen kann.

Viele Grüße
Matthias
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Re: Probleme bei der Anlagenzertifizierung?

Beitragvon welfenstrom » Do 18. Dez 2014, 20:15

Soweit, so gut, aber Kleinanlagen sind davon in keiner Weise betroffen. Auch die 50,2 Hz-Problematik, die 70%-Regelung usw. haben damit doch nichts zu tun. Was also wollt oder könnt ihr für diejenigen tun, die hier bei uns vertreten sind, also zumeist PV-Anlagen-Besitzer mit Aufdachanlagen bis 10 kWp?
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Re: Probleme bei der Anlagenzertifizierung?

Beitragvon S3PEngineering » Do 18. Dez 2014, 20:47

Sollte bei kleinen Anlagen bis 30kVA oder mittelgroßen Anlagen zwischen 30kVA und 1MVA der Schuh bei der Thematik Netzintegration drücken, dürfen natürlich auch Betreiber dieser Anlagen gerne auf uns zukommen!
Ich gebe natürlich voll und ganz Recht, dass über 90% der in Deutschland installierten Anlagen in die Leistungsklasse fallen, jedoch war mir nicht bewusst, dass Betreiber der Kraftwerksklasse nicht in Foren vertreten sind. Denn gerade in der Leistungsklasse gibt es doch viel mehr Probleme, als vielen Bewusst ist :lightning:
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Re: Probleme bei der Anlagenzertifizierung?

Beitragvon welfenstrom » Do 18. Dez 2014, 23:45

Das ist mit Sicherheit so, aber Investoren, die über die finanzielle Potenz verfügen, Anlagen in Eurer Größenordnung zu bauen, die werden sich sicherlich (ok - sagen wir hoffentlich ;) ) vor einem solchen Investment von entsprechenden Spezialisten beraten lassen. Hier im Forum sind sicherlich ein paar user, die Anlagen im Bereich bis 30 kWp betreiben, aber darüber hinaus wüßte ich zumindest nicht, dass hier jemand aktiv wäre. Dennoch: Schön zu wissen, dass es Euch gibt und ihr im Fall der Fälle Hilfestellung leisten könnt. Wer weiß, wer hier demnächst einmal aufschlägt und etwas zu diesem Thema anfragt ...

Mit Masse sind die Probleme derjenigen, die uns um Hilfe bitten, im Bereich Modul-WR-Kombination, 70%-Regelung, Eigenstromverbrauch, Speicherlösungen ja/nein u.ä. gelagert. Netzintegration ist im Bereich der Hausdachanlagen eben (noch) kein Thema. Sollte irgendwann irgendeine Bundesregierung das Thema "Energiewende" zu unserer grenzenlosen Verwunderung doch einmal ernst nehmen, sollten Netzwerk-Kraftwerke u.ä. Ansätze tatsächlich erprobt werden oder sogar in größerem Stil implementiert werden - dann wird man sicherlich auch irgendwann bei Kleinanlagen darüber sprechen, wie man sie sinnvoll in das Netz integriert.
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Re: Probleme bei der Anlagenzertifizierung?

Beitragvon S3PEngineering » Fr 19. Dez 2014, 09:46

Guten Morgen :)

Ja, mit "hoffentlich" trifft es das leider ganz gut! Projektentwicklung und Konstruktion laufen da ohne Probleme ab. Wenn es aber an die Details geht, sprechen die Zahlen der "konformitätsfreien Anlagen" eine andere Sprache :|

Bei kleineren Anlagen ist der Vorteil, dass die Hersteller der Systemtechnik bei Gesetzesänderungen entsprechende Anpassungen und Anlagenupgrades relativ problemlos ausrollen und den Endkunden zugänglich machen können. Anders sieht es bei den individuellen Lösungen im Projektgeschäft aus.

Und du wie schon gesagt hast, spätestens mit der Einführung von virtuellen Kraftwerken skaliert sich die ganze Thematik auch in das Residential Segment. Und all zu lange ist da nicht mehr hin :idea:
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Re: Probleme bei der Anlagenzertifizierung?

Beitragvon welfenstrom » Fr 19. Dez 2014, 10:05

Genau das ist überfällig! Erst schiebt man den Sektor PV mühsam über das 100.000-Dächer-Programm und die Einspeisevergütung an, dann würgt man den gesamten Industriezweig innerhalb von zwei Jahren zu Tode. Deutlicher hätte man den Bürgern nicht vor Augen führen können, wie lobbyhörig die Politik - hier gegenüber den Lobbyisten der großen Vier EON, Vattenfall, RWE und EnBW - heute ist. Als man begann, die Photovoltaik zu fördern hat sich leider niemand Gedanken darüber gemacht, wie der so produzierte Strom eigentlich genutzt werden soll, wie man die Strommengen verteilen bzw. sinnvoll speichern kann, wie man unterschiedliche Wege, Strom zu produzieren so miteinander verknüpfen muss, dass tatsächlich eine deutliche Zahl konventioneller Kraftwerke damit ersetzt werden können.

Im Moment scheinen ja sowohl Biogasanlagen als auch Photovoltaikanlagen ziemlich brach zu liegen. Werden im Moment eigentlich überhaupt noch photovoltaische Großanlagen projektiert bzw. gebaut?
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Re: Probleme bei der Anlagenzertifizierung?

Beitragvon S3PEngineering » Fr 19. Dez 2014, 12:15

Ja, der Zubau ist sicherlich auch massiv zurückgegangen, aber dieses Jahr werden knapp über 200 Anlagen der MW-Klasse ins Netz gehen.
Für jeden Investor, der sich in Zeiten von fallenden Leitzinsen mit gemäßigten, aber relativ sicheren Renditen begnügt, ist das immer noch eine lohnenswerte Geldanlage. :rainbow:
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